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Wird der DPP für Ihr Unternehmen Pflicht? Größe, Rolle und Ausnahmen — in 5 Minuten geklärt

Die DPP-Pflichten hängen nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern von Ihrer Rolle in der Lieferkette und von Ihrer Produktkategorie. Mit einem Entscheidungsbaum, Vergleichstabellen und den tatsächlichen Ausnahmen schaffen wir in 5 Minuten Klarheit.

⏱️ 9 min read

„Wir sind doch nur ein Unternehmen mit 12 Beschäftigten — der Produktpass gilt für uns sicher nicht." Das ist der häufigste Satz, den man zum digitalen Produktpass (DPP) hört. Und zugleich der häufigste Irrtum. Die DPP-Pflichten hängen nicht von der Unternehmensgröße ab — sie hängen davon ab, welche Rolle Sie in der Lieferkette einnehmen und ob Ihre Produktkategorie auf der Prioritätenliste der EU steht. Die gute Nachricht: Diese beiden Fragen lassen sich in fünf Minuten klären. Gehen wir sie durch — in Ruhe und ohne Panikmache.

Der große Mythos: „Wir sind klein, uns betrifft das nicht"

Das EU-Recht enthält an vielen Stellen tatsächlich Ausnahmen für KMU, daher ist es verständlich, dass viele dasselbe auch beim DPP erwarten. Doch die ESPR — die Verordnung (EU) 2024/1781 über Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte, die am 18. Juli 2024 in Kraft getreten ist — knüpft die Produktpass-Pflicht an das Produkt und an Ihre Rolle, nicht an die Unternehmensgröße. Sobald die detaillierten Durchführungsvorschriften für eine Produktkategorie verabschiedet sind (ein sogenannter delegierter Rechtsakt), braucht jedes in dieser Kategorie in Verkehr gebrachte Produkt einen Pass — unabhängig davon, ob der Hersteller 5 oder 5.000 Beschäftigte hat.

Die Logik ist einfach: Der Pass begleitet das Produkt — er bewertet nicht das Unternehmen. Der Umwelt-Fußabdruck und die Materialzusammensetzung eines T-Shirts sind gleichermaßen wichtig, ob es nun in einer Familienwerkstatt genäht oder für eine multinationale Kette produziert wurde. Wenn Ihnen noch nicht klar ist, was ein DPP überhaupt ist, beginnen Sie mit unserem Einsteiger-Leitfaden.

Ebenso wichtig ist es, den umgekehrten Fehler zu vermeiden: Größenunabhängigkeit bedeutet nicht, dass der DPP für alle, für alles und sofort gilt. Es gibt drei Filter, und nur wer von allen dreien erfasst wird, ist tatsächlich betroffen: Ihre Rolle, Ihre Kategorie und der Zeitpunkt. Gehen wir sie der Reihe nach durch.

Erster Filter — Ihre Rolle: Hersteller, Importeur, Händler

Die ESPR legt Pflichten nicht „Unternehmen" auf, sondern Wirtschaftsakteuren — und je nach Rolle in unterschiedlicher Tiefe. Ein und dasselbe Unternehmen kann mehrere Rollen gleichzeitig einnehmen: Ein Möbelhersteller, der Stuhlbeine aus China importiert und fertige Stühle auch vertreibt, vereint alle drei.

RolleWer gilt als solcher?Wichtigste DPP-Pflicht
HerstellerWer das Produkt herstellt oder es unter eigenem Namen bzw. eigener Marke in Verkehr bringt — auch dann, wenn es tatsächlich jemand anderes fertigt (Eigenmarke!)Den Pass anlegen, für richtige und aktuelle Daten sorgen, den QR-Code am Produkt anbringen
ImporteurWer ein Produkt aus einem Drittland (z. B. China, Türkei, Vereinigtes Königreich) erstmals auf den EU-Markt bringtPrüfen, ob das Produkt einen gültigen Pass hat — hat der Hersteller keinen angelegt, trifft die Verantwortung den Importeur
Händler / EinzelhändlerWer ein bereits auf dem EU-Markt befindliches Produkt weiterverkauft (Großhändler, Einzelhändler, Webshop)Sicherstellen, dass das Produkt einen Pass hat und der Zugang (der QR-Code) funktioniert — ein Produkt ohne Pass darf nicht verkauft werden

Die größte Überraschung erleben meist die Importeure: Viele Händler hierzulande wissen gar nicht, dass sie rechtlich als Importeur gelten — und damit die Verantwortung eines Herstellers tragen. Wenn Sie außerhalb der Union einkaufen, lesen Sie unbedingt unseren Artikel zur Verantwortung des Importeurs. Eine eigene Falle ist der Verkauf unter Eigenmarke: Steht Ihr Markenname auf dem Produkt, sind Sie aus Sicht des Gesetzes der Hersteller — ganz gleich, wer es tatsächlich genäht hat.

Wo es Größen-Ausnahmen WIRKLICH gibt — und wo nicht

Woher stammt also die Legende, dass es „für kleine Unternehmen nicht gilt"? Daher, dass die ESPR tatsächlich eine größenabhängige Ausnahme enthält — nur eben nicht beim DPP, sondern bei einer ganz anderen Pflicht: dem Verbot der Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte (Artikel 25). Ab dem 19. Juli 2026 untersagt die Verordnung großen Unternehmen, unverkaufte Bekleidung, Bekleidungszubehör und Schuhe zu vernichten; große und mittlere Unternehmen müssen zudem offenlegen, wie viele unverkaufte Produkte sie entsorgen. Hier — und nur hier — spielt die Größe eine Rolle:

PflichtKleinst- und Kleinunternehmen (unter 50 Beschäftigte und 10 Mio. € Umsatz)Mittlere UnternehmenGroße Unternehmen
Vernichtungsverbot (unverkaufte Kleidung, Zubehör, Schuhe)Ausgenommen (die Kommission kann das Verbot auf sie ausweiten, wenn sie Umgehungen feststellt)Übergangsweise ausgenommen bis 19. Juli 2030Pflicht ab 19. Juli 2026
Offenlegung der Daten zu entsorgten ProduktenAusgenommenPflicht (mit Übergangsfrist)Pflicht
Digitaler Produktpass (DPP)Pflicht, sobald die Kategorie an der Reihe istPflicht, sobald die Kategorie an der Reihe istPflicht, sobald die Kategorie an der Reihe ist

Die unterste Zeile der Tabelle ist der Kern: Für den DPP gibt es keine Größenschwelle. Was die EU kleineren Unternehmen bietet, ist keine Befreiung, sondern Erleichterung: Bei der Ausarbeitung der delegierten Rechtsakte muss die Belastung für KMU berücksichtigt werden, und die Mitgliedstaaten müssen Unterstützungsmaßnahmen bereitstellen (Leitfäden, Schulungen, finanzielle Hilfen). Das ist Hilfe bei der Compliance — keine Befreiung davon.

Zweiter Filter — die Kategorie: Steht Ihr Produkt auf der Liste?

Die ESPR ist eine Rahmenverordnung: Für sich genommen verlangt sie noch für kein einziges Produkt einen Pass. Die konkreten Anforderungen kommen Kategorie für Kategorie in gesonderten delegierten Rechtsakten, und welche Kategorie wann an der Reihe ist, entscheidet der Arbeitsplan nach Artikel 18 der Verordnung. Den ersten Arbeitsplan für den Zeitraum 2025—2030 hat die Kommission am 16. April 2025 veröffentlicht, mit folgenden Prioritäten:

ProduktkategorieDelegierter Rechtsakt (indikativ)Anwendung frühestens*
Eisen und Stahl2026~2028
Textilien und Bekleidung2027~2028—2029
Reifen2027~2028—2029
Aluminium2027~2028—2029
Möbel2028~2030
Matratzen2029~2030—2031
Horizontal: Reparierbarkeits-Score; Recyclingfähigkeit und Rezyklatanteil von Elektronik (EEE)2027—2029~2029—2031

*Die Daten sind indikativ: In der Regel folgt auf jeden delegierten Rechtsakt eine Übergangsfrist von mindestens 18 Monaten, bevor die Anforderungen verbindlich werden (eine kürzere Frist lässt die Verordnung nur in hinreichend begründeten Fällen zu) — und die detaillierten Datenanforderungen werden erst in den Rechtsakten selbst festgelegt. Das muss man ehrlich sagen: Wer heute behauptet, genau zu wissen, welche Felder im Textilpass verpflichtend sein werden, rät. Den vollständigen, aktuellen Zeitplan finden Sie in unserem Artikel zu den ESPR-Fristen.

Zwei Ergänzungen zur Kategorie-Prüfung:

  • Batterien laufen auf einem eigenen Gleis. Nicht die ESPR schreibt ihn vor, sondern die Batterieverordnung (EU) 2023/1542: Ab dem 18. Februar 2027 braucht jede EV-Batterie, jede LMT-Batterie (E-Bikes, Roller) und jede Industriebatterie über 2 kWh einen digitalen Pass. Das ist die früheste fest stehende DPP-Frist — Einzelheiten in unserem Leitfaden zum Batteriepass.
  • Manche Produkte sind eindeutig ausgenommen. Die ESPR schließt Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel und Tierarzneimittel ausdrücklich aus, ebenso lebende Pflanzen und Tiere sowie Produkte menschlichen Ursprungs. Wenn das Ihr Geschäftsfeld ist, können Sie den DPP in dieser Form beruhigt von Ihrer Liste streichen.

Der Entscheidungsbaum — vier Fragen, fünf Minuten

Fügen wir die Filter nun zu einer einzigen Gedankenkette zusammen. Beantworten Sie sie der Reihe nach, Zweig für Zweig:

  1. Stellen Sie physische Produkte her, importieren Sie sie oder verkaufen Sie sie unter eigener Marke?
    Nein, ich erbringe nur Dienstleistungen → Der DPP betrifft Sie nicht unmittelbar (höchstens über Ihre Kunden, z. B. wenn diese Lieferantendaten von Ihnen anfordern).
    Ja → weiter zu Frage 2.
  2. Gelangt das Produkt auf den EU-Markt? (Auch wenn Sie nur in einem einzigen Mitgliedstaat verkaufen — etwa in Deutschland —, gehört das zum Binnenmarkt. Und ebenso, wenn Sie von außerhalb der EU an Kunden in der EU liefern.)
    Nein, ich verkaufe ausschließlich außerhalb der EU → Die ESPR gilt nicht für Sie.
    Ja → weiter zu Frage 3.
  3. Steht Ihre Kategorie auf der obigen Prioritätenliste — oder stellen Sie Batterien her bzw. importieren Sie welche?
    Nein, und es ist auch nicht zu erwarten (z. B. Lebensmittel, Arzneimittel) → vorerst keine DPP-Aufgaben; es lohnt sich, den Arbeitsplan einmal im Jahr zu prüfen.
    Ja → weiter zu Frage 4.
  4. Dann lautet die Frage nicht mehr, ob es Pflicht wird — sondern WANN. Die Antwort ergibt sich aus dem Zeitplan des delegierten Rechtsakts Ihrer Kategorie: bei Stahl um 2028, bei Textilien um 2028—2029, bei Möbeln um 2030 — und bei Batterien fix der 18. Februar 2027. Den genauen Zeitplan verfolgen Sie in unserem Artikel zu den ESPR-Fristen.

Beachten Sie, was gerade passiert ist: In vier Schritten wurde aus der Frage „uns betrifft das sicher nicht" eine weitaus nützlichere — „wie viel Zeit haben wir zur Vorbereitung, und was lohnt sich in der Zwischenzeit?". Und die Unternehmensgröße kam kein einziges Mal vor.

Wenn Sie betroffen sind: drei besonnene erste Schritte

Wenn der Entscheidungsbaum Sie bei der Frage „wann" hat landen lassen, gibt es keinen Grund zur Panik — aber auch keinen Grund, einfach abzuwarten, denn der zeitaufwendigste Teil der Vorbereitung ist nicht die Software, sondern die Daten. Drei Schritte, die sich jetzt auszahlen:

  1. Machen Sie eine Bestandsaufnahme. Welche Produktdaten haben Sie bereits (Materialzusammensetzung, Herkunft, Zertifikate), und was fehlt? Genau dafür haben wir den kostenlosen DPP-Bereitschaftstest gebaut: Er führt Sie Frage für Frage durch, zugeschnitten auf Ihre Kategorie, und zeigt Ihre Stärken und Ihre Lücken — fünf Minuten, und Sie können ohne Registrierung starten.
  2. Beginnen Sie mit dem Sammeln der Lieferantendaten. Ein erheblicher Teil der DPP-Daten liegt nicht bei Ihnen, sondern bei Ihren Lieferanten — und deren Antwortzeit ist das langsamste Glied in der Kette. Was Sie wie abfragen sollten, behandelt unser Artikel zu den Lieferantendaten.
  3. Arbeiten Sie eine Checkliste ab. Den vollständigen Weg der Vorbereitung — von der Benennung eines Verantwortlichen bis zum QR-Code — fasst die DPP-Vorbereitungs-Checkliste Schritt für Schritt zusammen.

Und ein Gedanke für die Waagschale: Ein früher Start ist nicht nur Risikomanagement — er ist ein Wettbewerbsvorteil. Große Einkäufer und Handelsketten bevorzugen schon heute Lieferanten, die strukturierte Produktdaten liefern können.

Wie hilft Veridyn?

Veridyn wurde genau für die Unternehmen gebaut, die am Ende dieses Entscheidungsbaums stehen — unabhängig von ihrer Größe —, damit sie die Anforderungen ohne IT-Abteilung erfüllen können:

  • Kategoriebasierter Schema-Editor: fertige Datenfelder für die Kategorien der Prioritätenliste, ohne Programmierung — die Schemata für Textil, Batterie und Möbel sind heute live, die übrigen kommen parallel zu den delegierten Rechtsakten — mit Pässen auf Modell-, Chargen- oder sogar Stückebene.
  • QR-Code und GS1 Digital Link: Jeder fertige Pass erhält sofort einen normkonformen QR-Code (mit GTIN-, lot- und serial-Pfaden, sofern eine GTIN angegeben ist), und die öffentliche Ansicht steht in allen 24 EU-Sprachen zur Verfügung.
  • Lieferantenportal: Fordern Sie fehlende Daten über einen Link ohne Anmeldung bei Ihren Lieferanten an — so setzen Sie das langsamste Glied der Kette am frühesten in Bewegung.
  • Versionshistorie und Hash-Kette: Jede Änderung ist nachvollziehbar — das schafft Ruhe bei Audits und gegenüber Behörden.

Neugierig, wie das alles mit Ihren eigenen Produkten aussehen würde? Sehen Sie sich die Live-Demo an — oder starten Sie ganz von vorn mit dem kostenlosen DPP-Bereitschaftstest. Und wenn Sie sich entschieden haben, können Sie sich mit dem kostenlosen Einstiegstarif in wenigen Minuten registrieren und Ihren ersten Pass anlegen.

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