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Modell, Charge oder Stück? Welche DPP-Granularitätsstufe Sie brauchen — und was das in der Praxis bedeutet

Ein digitaler Produktpass kann auf Modell-, Chargen- oder Stückebene ausgestellt werden — das ist der Unterschied zwischen 50 und 50.000 Pässen. Wir zeigen, wer die Stufe vorschreibt und warum die Stückebene nicht den 1.000-fachen Aufwand bedeutet.

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„Brauche ich für jedes einzelne Stück einen eigenen Pass? Oder reicht einer pro Modell?“ — das ist eine der praktischsten Fragen rund um den digitalen Produktpass, und überraschend selten gibt es darauf eine klare Antwort. Dabei entscheidet genau das darüber, ob Sie 50 oder 50.000 Pässe verwalten, welche Kennung in Ihren QR-Code wandert und wie viel Datenpflege Sie jedes Jahr erwartet. Die gute Nachricht: Das System ist logischer, als es zunächst wirkt — die drei Stufen bauen aufeinander auf, sodass selbst die feinste Variante nicht den tausendfachen Aufwand bedeutet. Klären wir das gemeinsam.

Die drei Stufen in einer Minute

Nach dem ESPR (der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte) kann der digitale Produktpass in drei Detailstufen angelegt werden — in der Sprache der Verordnung: Granularität. Wenn Sie noch bei den Grundlagen stehen, beginnen Sie mit Was ist ein DPP — hier geht es gezielt um die Stufen.

  • Modellebene: Alle Produkte derselben Ausführung teilen sich einen einzigen gemeinsamen Pass. Jedes hergestellte Stück eines T-Shirt-Modells — etwa des „Basic Tee, weiß, Größe M“ — verweist auf denselben Pass. Bei 40 Modellen haben Sie 40 Pässe, unabhängig davon, wie viele Stück Sie produzieren.
  • Chargenebene (Charge/Los): Jeder Fertigungslauf erhält einen eigenen Pass. Farben oder Klebstoffe sind das klassische Beispiel: Die Fertigungschargen vom März 2026 und vom Juni 2026 können sich in der Zusammensetzung oder in der Rohstoffherkunft leicht unterscheiden, deshalb bekommt jede Charge einen eigenen Pass. 40 Modelle × 10 Fertigungschargen pro Jahr = 400 Pässe jährlich.
  • Stückebene: Jedes einzelne hergestellte Stück erhält seinen eigenen, serialisierten Pass. Das ist die Welt der Elektrofahrzeug-Batterien: Zwei Batterien, die am selben Tag aus derselben Charge stammen, leben dennoch mit getrennten Pässen, weil sich ihr Lebensweg — Ladezyklen, State of Health — individuell entwickelt.

Als Faustregel gilt: Je stärker das Schicksal eines Produkts von Stück zu Stück variiert (Lebensdauer, Reparaturen, Zustand), desto feiner ist die gerechtfertigte Stufe. Zwischen zwei Stück eines T-Shirts gibt es praktisch keinen Datenunterschied — bei zwei Stück einer EV-Batterie ist genau dieser Unterschied der springende Punkt.

Wer entscheidet? Nicht Sie — der delegierte Rechtsakt Ihrer Kategorie

Eine wichtige Klarstellung: Die Stufe ist nicht frei vom Hersteller wählbar. Die ESPR-Rahmenverordnung sagt nur, dass der Pass „auf Modell-, Chargen- oder Stückebene“ angelegt wird — welche Stufe für eine Produktgruppe konkret gilt, schreibt der jeweilige delegierte Rechtsakt vor. Diese Rechtsakte werden zwischen 2026 und 2029 schrittweise veröffentlicht, und in der Regel folgt auf jeden von ihnen eine Vorbereitungszeit von mindestens 18 Monaten (in hinreichend begründeten Fällen lässt die Verordnung einen kürzeren Zeitraum zu) — den vollständigen Zeitplan finden Sie unter ESPR-Fristen.

Wo bereits endgültige Regeln bestehen, ist das Bild klar:

  • Batterien — Stückebene, bereits geltendes Recht. Die EU-Batterieverordnung (2023/1542, Artikel 77) legt fest, dass ab dem 18. Februar 2027 jede EV-Batterie, LMT-Batterie (E-Bikes, Roller) und Industriebatterie über 2 kWh, die in der EU in Verkehr gebracht wird, einen individuellen Pass je Stück erhält, und dass der QR-Code in der Regel auf der Batterie selbst aufgedruckt oder eingraviert sein muss (wo Größe oder Beschaffenheit dies unmöglich machen, kommt er auf die Verpackung und die Begleitunterlagen). Der Pass enthält sowohl Daten auf Modellebene (Chemie, CO₂-Fußabdruck) als auch stückspezifische Daten (Zustand, Historie). Die Einzelheiten behandeln wir in einem eigenen Artikel: der Batteriepass.
  • Textilien — noch in Arbeit, aber die Richtung ist erkennbar. Eine im Mai 2026 veröffentlichte Vorstudie der Forschungsstelle der Kommission (JRC) skizziert für den Textil-DPP einen geschichteten Ansatz: Die meisten Produktmerkmale (Zusammensetzung, Haltbarkeit, Pflegehinweise) lägen auf Modellebene, während produktionsabhängige Daten (Fertigungsstätte, Nachweis des Rezyklatanteils, Chemikaliendaten) auf Chargenebene angesiedelt wären — die Alleestgranularität dürfte also die Fertigungscharge sein und nicht das bloße Modell. Die Stückebene erscheint bei Textilien derzeit als freiwillige, zukunftssichernde Option (Weiterverkauf, Reparaturverfolgung je Stück). Zur Klarstellung: Das ist noch kein verabschiedetes Recht, und der endgültige delegierte Rechtsakt kann daran etwas ändern — als Planungsannahme ist es heute jedoch sinnvoll (mehr dazu: DPP in der Textilindustrie).

Die Lehre daraus ist zweifach. Erstens: Verfolgen Sie den delegierten Rechtsakt Ihrer eigenen Kategorie, denn er legt die verpflichtende Stufe fest. Zweitens: Die Stufe ist nicht immer eine einzige Stufe — ein Pass kann Felder auf Modellebene neben solchen auf Chargen- oder Stückebene enthalten. Dazu gleich mehr.

Was bedeutet das in der Praxis? Rechnen wir nach

Nehmen wir ein konkretes Beispiel dafür, was die drei Stufen bedeuten, wenn Sie von einem einzigen Modell 1.000 Stück pro Jahr in 10 Fertigungschargen herstellen:

StufeWann ist sie typisch?Anzahl der Pässe (1.000 Stück, 10 Chargen)Art der Datenpflege
ModellKein nennenswerter Datenunterschied zwischen den Stücken (die meiste Bekleidung, Möbel, viele Elektronikprodukte)1Einmaliges Ausfüllen + Aktualisierung bei Modelländerungen (neues Material, neuer Lieferant)
ChargeZusammensetzung/Herkunft variiert je Fertigungslauf (Farben, chemische Produkte, voraussichtlich Textilien)10Erfassung der veränderlichen Felder je Fertigungslauf (Chargennummer, Werk, Zertifikate)
StückDas Leben jedes Stücks entwickelt sich individuell (EV-, Industrie- und LMT-Batterien — bereits geltendes Recht; hochwertige, reparaturverfolgbare Produkte)1.000Erzeugung der Seriennummer bei der Fertigung + Stückfelder (Fertigungsdatum, Chargenbezug, später Zustandsdaten)

Auf den ersten Blick mag die Stückebene abschreckend wirken — tausendmal so viele Pässe. Wie Sie unten sehen werden, ist der tatsächliche Mehraufwand jedoch nur ein Bruchteil davon, denn das System beruht auf Vererbung.

Die GS1-Verbindung: Wie aus einer Stufe eine Kennung und ein QR-Code wird

Die drei Stufen sind keine Theorie — sie bilden sich unmittelbar in der Produktidentifikation ab. Im ESPR-Umfeld ist die häufigste Lösung der GS1 Digital Link: eine Webadresse, in die die Standard-Anwendungsbezeichner (AIs) von GS1 eingebaut sind. Die Logik ist bestechend einfach:

StufeKennungGS1-Digital-Link-Pfad (Beispiel)Wofür ist sie sonst gut?
ModellGTIN/01/05990001234567Bestellung, Bestandsführung — die „Strichcode-Nummer“ als Webadresse
ChargeGTIN + Charge (AI 10)/01/05990001234567/10/L2603Rückrufmanagement, Compliance auf Chargenebene
StückGTIN + Seriennummer (AI 21)/01/05990001234567/21/SN000482Garantie, Reparaturverfolgung, individuelle Lebenshistorie

Mit anderen Worten: Auf allen drei Stufen bildet derselbe GTIN das Rückgrat — Chargen- und Stückebene hängen lediglich weitere Pfadelemente an. Das bedeutet auch: Wenn Sie heute QR-Codes auf Modellebene drucken und der Rechtsakt Ihrer Kategorie später die Chargenebene vorschreibt, müssen Sie kein neues Identifikationssystem aufbauen — Sie ergänzen dieselbe Logik um die Chargennummer. Wie QR-Codes und der Digital Link funktionieren, haben wir hier ausführlich behandelt: QR-Codes und der GS1 Digital Link.

Die gute Nachricht: Die Stufen bauen aufeinander auf — es ist nicht der 1.000-fache Aufwand

Und hier kommt die wichtigste praktische Erkenntnis: Ein Stückpass ist kein eigenständiges Datenblatt, das man von Grund auf ausfüllt. Das Datenmodell des Passes ist geschichtet (zum Aufbau des Passes siehe: die Anatomie eines Produktpasses):

  1. Modellschicht: Die allermeisten Felder — Materialzusammensetzung, Konstruktionsmerkmale, Reparierbarkeit, Pflegehinweise, Konformitätserklärungen — gehören zum Modell. Diese füllen Sie einmal aus, und jede Charge und jedes Stück erbt sie.
  2. Chargenschicht: Chargennummer, Fertigungsstätte, Produktionszeitraum, chargenspezifische Zertifikate. Eine Handvoll Felder je Fertigungslauf.
  3. Stückschicht: Seriennummer, Fertigungsdatum, Chargenbezug — bei Batterien später Zustandsdaten (SoH, Zyklenzahl). Typischerweise 3–6 Felder je Stück, von denen die meisten bei der Fertigung automatisch erzeugt werden können.

In Zahlen: Wenn ein Batteriepass etwa aus 90 Datenfeldern besteht, liegen mehr als 80 davon auf Modellebene. 1.000 Stückpässe bedeuten also nicht 90.000 manuell ausgefüllte Felder, sondern einmal 80 Felder, einige wenige je Charge und eine Handvoll erzeugter Werte je Stück — Chargen- und Stückpässe leiten Sie in der Oberfläche mit einem Klick vom Modell ab, statt sie von Hand auszufüllen (für größere Stückzahlen steht auch die Massenanlage über API und Import zur Verfügung). Der eigentliche Mehraufwand der Stückebene ist nicht die Dateneingabe, sondern der Prozess: Die Serialisierung muss in die Fertigung oder in den Lagerablauf eingebaut werden, und der QR-Druck muss je Stück eindeutig sein.

Eine Anmerkung zur Kehrseite: Die Stufe wirkt sich auch auf die Zugriffsverwaltung aus. Auf Stückebene können sensiblere, stückgebundene Daten auftreten (z. B. die Zustandshistorie), die nicht jeder sehen sollte — mehr dazu in unserem Artikel über Zugriffssteuerung und Geschäftsgeheimnisse.

Entscheidungshilfe: Mit welcher Stufe sollten Sie heute beginnen?

Wenn der delegierte Rechtsakt Ihrer Kategorie noch nicht endgültig ist, empfehlen wir diese Reihenfolge:

  1. Prüfen Sie, ob für Ihre Kategorie bereits eine endgültige Regel besteht. Bei Batterien ist das der Fall: Stückebene, ab dem 18. Februar 2027. Dort gibt es keinen Ermessensspielraum — Sie müssen sich auf die Serialisierung und auf stückgenaue QR-Codes vorbereiten.
  2. Falls nicht, beginnen Sie auf Modellebene — aber chargenfähig. Bauen Sie Ihre Modellpässe auf (diese Arbeit ist nie umsonst, da jede feinere Stufe darauf aufbaut), und legen Sie schon jetzt die Nummernlogik Ihrer Fertigungschargen fest, auch wenn sie im Pass noch nicht erscheint.
  3. Planen Sie bei Textilien mit der Chargenebene. Angesichts der Richtung der JRC-Vorarbeiten ist es eine kluge Grundannahme, dass die Charge das Minimum sein wird — wenn Sie heute in einer Struktur aus Modell + Charge denken, bedeutet der endgültige Rechtsakt voraussichtlich eine Feinabstimmung und keinen Neuentwurf.
  4. Gehen Sie freiwillig auf die Stückebene, wenn darin ein geschäftlicher Nutzen liegt. Mit Pässen je Stück lassen sich auch Garantieverwaltung, Fälschungsschutz und Wertschöpfung im Gebrauchtmarkt aufbauen — bei hochwertigen Produkten kann sich das schon heute lohnen, unabhängig von der Pflicht (siehe: der DPP als Wettbewerbsvorteil).
  5. Vergeben Sie Ihre Kennungen von Anfang an nach der GS1-Digital-Link-Logik. So ist ein späterer Stufenwechsel eine Pfaderweiterung und kein Systemwechsel.

Fazit: Die Granularitätsfrage ist kein Hindernis, sondern ein Gestaltungsparameter. Sobald die Modellschicht steht, sind Chargen- und Stückebene nur noch schrittweise Erweiterungen.

Wie hilft Veridyn?

In Veridyn sind die drei Granularitätsstufen kein nachträglicher Zusatz, sondern das Fundament des Systems: Sie können Pässe auf Modell-, Chargen- und Stückebene (Einzelstück) gleichermaßen verwalten, und die feineren Stufen erben bei der Anlage die Daten des Modells — Sie müssen nur die stückspezifischen Felder eingeben. Sobald Sie einen GTIN angeben, liegen die QR-Codes nativ im GS1-Digital-Link-Format vor (mit den Pfaden GTIN, GTIN+Charge und GTIN+Seriennummer), womit die normkonforme Identifikation erledigt ist. Der Editor für Kategorieschemata erlaubt das Arbeiten ohne Programmierung, der öffentliche Pass wird in allen 24 EU-Sprachen angezeigt, und der gestufte Zugriff sorgt dafür, dass sensible Daten auf Stückebene nur für Berechtigte sichtbar sind. Ein wichtiger Hinweis: Die Wahl der passenden Granularitätsstufe bleibt in der Verantwortung des Herstellers — wir aktualisieren die Kategorieschemata von Veridyn, sobald die delegierten Rechtsakte veröffentlicht werden. Auch die Automatisierung der Serialisierung aus Ihrem Fertigungsprozess über die Entwickler-REST-API (api-docs) ist möglich.

Am besten versteht man die Stufen, wenn man sie in Aktion sieht: In der Live-Demo können Sie einen Modellpass und einen Stückpass in der Praxis ansehen, ganz ohne Anmeldung. Wenn Sie wissen möchten, wo Sie in Ihrer Vorbereitung stehen, machen Sie den kostenlosen DPP-Bereitschaftstest — oder steigen Sie direkt ein: Die Registrierung beginnt mit einem kostenlosen Einstiegstarif.

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