Am 20. Juli 2026 geschah es leise, aber es war ein Meilenstein: Das zentrale EU-Register für digitale Produktpässe ist in Betrieb gegangen – auf Grundlage der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778, im Rahmen der ESPR ((EU) 2024/1781). Das ist die fehlende Infrastruktur, ohne die der DPP bislang nur „auf dem Papier" existierte. Sehen wir uns genau an, worum es sich handelt, was dort gespeichert wird, wie Sie sich registrieren – und vor allem, was jetzt verpflichtend ist und was erst ab 2027.
Was ist das EU-DPP-Register?
Das Register ist ein zentrales Registrierungssystem, in dem Wirtschaftsakteure jeden Produktpass registrieren müssen – aber Achtung: Die Produktdaten selbst landen dort nicht. Das Register ist ein föderierter Index: Es speichert die eindeutige Produktkennung (UPI) samt zugehörigen Metadaten sowie den Ort, wo der vollständige Pass erreichbar ist. Der Inhalt verbleibt bei Ihnen (dem Wirtschaftsakteur) oder Ihrem DPP-Anbieter.
Einfach gesagt funktioniert das Register wie ein Telefonbuch – es weiß, dass es Sie gibt und wo man Sie findet, aber das „Gespräch" (die Daten) findet nicht dort statt. Dieses föderierte Modell ist bewusst so angelegt: Die Kontrolle über Ihre sensiblen Daten bleibt bei Ihnen.
Was genau ist am 20. Juli 2026 gestartet – und was NICHT?
Ein wichtiger Realitätscheck: Am Starttag wurde für Unternehmen nichts verpflichtend. Geschehen ist Folgendes: Die Kommission hat ihre eigene Pflicht erfüllt – sie hat die Infrastruktur aufgebaut und in Betrieb genommen (mit Testumgebung, Dokumentation, Webinaren und einem Helpdesk).
- ✅ Das System ist live: Sie können sich registrieren, testen und sich damit vertraut machen – ohne Echtdaten anzufassen.
- ✅ Testumgebung + Helpdesk auf der neuen offiziellen DPP-Website.
- ❌ Eine Registrierungspflicht besteht für Sie noch nicht – sie kommt mit dem delegierten Rechtsakt Ihrer Kategorie, bei Batterien mit dem Datum aus der Verordnung (siehe unten).
Der 20. Juli ist also keine „Frist", sondern die Startlinie: Ab jetzt gibt es eine Stelle für die Registrierung, sobald Ihre Kategorie in den Anwendungsbereich fällt.
Wie registrieren Sie sich? (eIDAS, Oberfläche oder API)
Vor der Registrierung müssen Sie verifizierter Wirtschaftsakteur werden – das weisen Sie mit der elektronischen Identifizierung nach eIDAS nach, und die Verifizierung gilt bis zu 3 Jahre. Anschließend registrieren Sie jeden Pass auf eine von zwei Arten:
Wichtig: Die eIDAS-Verifizierung müssen Sie selbst beschaffen – Ihr DPP-Dienstleister (auch Veridyn) kann das nicht für Sie übernehmen. Die qualifizierte elektronische Signatur (Einzelunternehmen) bzw. das qualifizierte elektronische Siegel (Unternehmen) ist an Ihre Rechtsidentität gebunden und die Eintrittskarte für jede Registrierung.
Da Sie sie bei einem Vertrauensdiensteanbieter beantragen, ist eine Vorlaufzeit einzuplanen – beginnen Sie deutlich vor der für Sie geltenden Frist (bei Batterien: 18. Februar 2027).
- Eine sichere Weboberfläche – manuell, für kleine Mengen.
- Eine API – eingebunden in Ihre eigenen Systeme (ERP, PIM, DPP-Plattform) für die massenhafte bzw. automatisierte Registrierung.
Sie können außerdem einen sicheren elektronischen Registrierungsnachweis anfordern – nützlich im B2B-Bereich, wenn Ihr Abnehmer einen Nachweis über die Compliance verlangt.
Aktueller Stand (Sommer 2026): Die Registerinfrastruktur ist live, und in der Testumgebung können Sie Anmeldung, eIDAS-Verifizierung und Einreichung durchgängig durchspielen. Die tatsächliche Registrierung von Batterien funktioniert allerdings noch nicht – die Kommission entwickelt den semantischen Katalog für die Produktgruppe Batterien noch (laut offiziellem Benutzerhandbuch ist es derzeit nicht möglich, einen Batterie-DPP erfolgreich zu registrieren). Am ersten Pflichttermin ändert das nichts: 18. Februar 2027 – es bleibt also reichlich Zeit zur Vorbereitung. Den Verifizierungsprozess beschreiben wir Schritt für Schritt im Leitfaden zur eIDAS-Verifizierung.
Für welche Produkte – und ab wann gilt die Pflicht für SIE?
Das Register unterstützt bereits eine Reihe von Produktrechtsakten: die ESPR (Textilien, Stahl, Aluminium, Reifen, Möbel, IKT, energieverbrauchsrelevante Produkte) sowie eigenständige Rechtsvorschriften (große Batterien, Bauprodukte, Spielzeug, Detergenzien). Die Pflicht kommt jedoch Kategorie für Kategorie und zu unterschiedlichen Zeitpunkten:
| Bereich | Registrierungspflicht (frühestens) |
|---|---|
| Große Batterien (2023/1542) | 18. Februar 2027 – die erste harte Frist. |
| Eisen und Stahl (ESPR) | ~2028 (~18 Monate nach dem delegierten Rechtsakt) |
| Textilien, Aluminium (ESPR) | ~2028–2029 |
| Möbel und weitere | um 2030 |
Den genauen Zeitplan Kategorie für Kategorie finden Sie in unserem Artikel zu den ESPR-Fristen. Das Fazit: Batterien kommen zuerst – dort wird das Register als Erstes praktisch relevant.
Warum das föderierte Modell für Sie von Vorteil ist
Weil Ihre wettbewerbssensiblen Daten (Lieferanten, Rezepturen, Lieferkette) nicht in eine zentrale EU-Datenbank wandern – dorthin gelangt nur ein Verweis (die Kennung + die Webadresse). Den Zugriff steuern weiterhin Sie: Die Öffentlichkeit sieht die einen Daten, eine Behörde oder ein Recyclingbetrieb andere. Mehr dazu: DPP und Geschäftsgeheimnisse.
Was sollten Sie jetzt tun?
- Prüfen Sie, wann die Pflicht Sie trifft – Batterien 2027, andere Kategorien später (Zeitplan).
- Beschaffen Sie die eIDAS-Identifizierung für Ihr Unternehmen – sie ist die Eintrittskarte für die Registrierung.
- Sorgen Sie für eine stabile, eindeutige Produktkennung (GTIN + bei Bedarf Seriennummer/Charge) und eine dauerhafte Webadresse – genau das indexiert das Register. Siehe: QR und GS1 Digital Link, Modell–Charge–Stück.
- Wählen Sie ein API-fähiges DPP-System, das die Registrierung automatisieren kann, wenn es so weit ist.
Wenn Sie noch bei den Grundlagen stehen, beginnen Sie hier: DPP-Vorbereitungs-Checkliste.
Häufige Fragen
Muss ich mich jetzt registrieren? Nein – es sei denn, Sie stellen große Batterien her (dort ist der 18. Februar 2027 die erste Frist). Für andere Kategorien legt der für Sie geltende delegierte Rechtsakt das Datum fest.
Landen meine Produktdaten auf einem EU-Server? Nein. Das Register speichert nur die Kennung + Metadaten + den Verweis auf den Fundort; der vollständige Pass verbleibt bei Ihnen oder Ihrem Anbieter.
Brauche ich eIDAS? Ja – der Status als verifizierter Wirtschaftsakteur beruht auf eIDAS und gilt rund 3 Jahre.
Was prüft eine Behörde im Register? Die Marktüberwachung nutzt das Register, um zu verifizieren, dass ein auf dem Markt befindliches Produkt einen konformen, erreichbaren Pass besitzt – siehe DPP-Sanktionen und Marktüberwachung.
Wie hilft Veridyn?
In Veridyn erhält jeder Pass eine stabile, eindeutige Kennung (GTIN + optional Seriennummer/Charge) und eine dauerhafte, scannbare QR-URL – genau das, was das Register indexiert. Außerdem steht eine REST-API für Entwickler bereit, sodass sich die Registrierung automatisieren lässt, sobald Ihre Kategorie in den Anwendungsbereich fällt – während der Inhalt in Veridyn bleibt, unter Ihrer Kontrolle, worin der eigentliche Sinn des föderierten Modells liegt. Testen Sie kostenlos und seien Sie bereit, bevor die Frist da ist.