Die meisten stellen sich den digitalen Produktpass (DPP) so vor: Ein QR-Code kommt auf das Produkt, fertig. Wer online verkauft, stößt jedoch auf eine wenig bekannte Wendung: Nach der Logik der Verordnung muss der Käufer die Passdaten schon vor der Kaufentscheidung abrufen können — betroffen ist damit nicht nur die Verpackung, sondern auch die Produktseite Ihres Onlineshops. Die gute Nachricht: Das ist weit mehr Chance als Last. Ein gut platzierter Pass-Link auf der Produktseite ist Vertrauenssignal, Inhalt und Conversion-Unterstützung in einem — in diesem Artikel zeigen wir genau, was die Verordnung erwartet und wie Sie es elegant lösen.
Was genau sagt die Verordnung?
Die ESPR — die EU-Ökodesign-Verordnung 2024/1781, die Rechtsgrundlage der DPP-Pflicht (wenn Sie neu im Thema sind, beginnen Sie hier: Was ist ein DPP?) — geht davon aus, dass der Käufer im stationären Handel das Produkt in die Hand nehmen und den Datenträger darauf scannen kann. Online ist das unmöglich: Das Produkt liegt im Lager, der Käufer sitzt vor einem Bildschirm. Für diese Situation sieht die Verordnung eine eigene Lösung vor.
Artikel 10 Absatz 3 der ESPR bestimmt, dass der Wirtschaftsakteur, der das Produkt in Verkehr bringt, Händlern und Online-Marktplätzen eine digitale Kopie des Datenträgers oder einen Web-Link zum Produktpass bereitstellen muss — auf Anfrage, kostenlos und innerhalb von fünf Arbeitstagen — und zwar ausdrücklich damit diese ihn potenziellen Kunden dort zugänglich machen können, wo diese das Produkt nicht physisch erreichen. Im Klartext: Ihr Onlineshop und Ihr Marktplatz-Listing müssen den Pass zeigen können, bevor der Käufer zum Warenkorb greift.
Auch die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 berücksichtigt den Online-Verkauf: Nach Artikel 74 Absatz 4 müssen die Endnutzerinformationen zur Abfallbewirtschaftung auch beim Verkauf über Online-Plattformen verfügbar sein, während Inhalt und Zugriff des Batteriepasses in Artikel 77 geregelt sind — verpflichtend wird der Pass selbst am 18. Februar 2027 für EV-Batterien, Industriebatterien über 2 kWh und LMT-Batterien (Details: Batteriepass).
Eine faire Anmerkung der Genauigkeit halber: Die ESPR ist eine Rahmenverordnung — die kategoriespezifischen Details (in welcher Form genau, an welcher Stelle der Produktseite und unter welcher Bezeichnung der Passzugang anzuzeigen ist) legen delegierte Rechtsakte fest, die laut dem im April 2025 verabschiedeten Arbeitsplan Kategorie für Kategorie und in Etappen kommen. Die Richtung steht jedoch bereits fest und ist im Verordnungstext verankert: Im Online-Verkauf darf der Pass nicht später eintreffen als die Kaufentscheidung. Wenn Sie Ihren Onlineshop darauf ausrichten, ist der delegierte Rechtsakt am Ende nur noch Feinabstimmung.
Stationärer Handel vs. Onlineshop: Warum ist die Lage anders?
Es lohnt sich, den Unterschied klar zu sehen, denn daraus folgt alles Weitere:
- Im stationären Handel erfüllt der Datenträger am Produkt (oder auf der Verpackung bzw. in den Begleitunterlagen) — typischerweise ein QR-Code — die Zugangsanforderung von allein. Der Käufer nimmt das Produkt aus dem Regal, scannt, fertig.
- Online ist der QR-Code am Produkt für den Käufer im Kaufmoment unsichtbar. Deshalb braucht die Produktseite (oder die Listing-Daten) einen digitalen Zugangspunkt: einen Link, ein eingebettetes QR-Bild oder einen integrierten Pass-Abschnitt.
Eine wichtige Nuance: Das heißt nicht, dass Sie den gesamten Passinhalt in die Produktseite kopieren müssen. Bereitstellen müssen Sie den Zugang — am saubersten gelingt das mit einer stabilen, öffentlichen Pass-URL, auf die die Produktseite verlinkt. Was technisch hinter einem solchen Pass steckt, erläutert unser Artikel Anatomie eines Produktpasses.
Kanal für Kanal: Wie Sie es in der Praxis erfüllen
Die meisten Hersteller und Marken verkaufen nicht über einen einzigen Kanal. So sieht das Bild je Kanal aus:
| Verkaufskanal | Wie erfüllen Sie es? | Wer ist für die Anzeige verantwortlich? |
|---|---|---|
| Eigener Onlineshop | Pass-Link oder eingebetteter Abschnitt auf der Produktseite, an gut sichtbarer Stelle (z. B. unter der Produktbeschreibung oder in einem Reiter „Nachhaltigkeit“) | Sie selbst — der einfachste Fall, mit voller Kontrolle |
| Marktplatz (Amazon, eMAG, Kaufland Global…) | Bereitstellung der Pass-URL in den Listing-Daten; es ist zu erwarten, dass die Marktplätze dafür eigene Felder öffnen | Geteilt: Sie liefern die Daten, die Plattform zeigt sie an — für die Richtigkeit der Daten stehen jedoch Sie ein |
| Onlineshops von Wiederverkäufern | Bereitstellung der digitalen Kopie des Datenträgers bzw. der Pass-URL an den Partner (nach ESPR: auf Anfrage, innerhalb von 5 Arbeitstagen, kostenlos) | Der Wiederverkäufer zeigt sie an, Sie liefern den Link — am besten gemeinsam mit den Produktstammdaten |
| B2B-Katalog, Angebote | Pass-Link bei den Katalogpositionen und in den Angeboten — im Einkauf zunehmend eine Erwartung | Sie selbst — und es ist ein Wettbewerbsvorteil, wenn er ungefragt da ist |
| Stationärer Handel | Der QR-Code am Produkt bzw. auf der Verpackung genügt | Der Hersteller/Importeur sorgt für den Datenträger |
Die Tabelle zeigt den Kernpunkt: Eine einzige stabile Pass-URL kann jeden Kanal bedienen. Derselbe Link wandert in den eigenen Onlineshop, in das Marktplatz-Listing und in die Produktstammdaten des Wiederverkäufers — und der QR-Code auf der Verpackung verweist ebenfalls darauf. Ist die URL nach dem Standard GS1 Digital Link aufgebaut (GTIN + optional Chargen- und Seriennummer), können auch Maschinen sie interpretieren — genau darum geht es in unserem Leitfaden QR und GS1 Digital Link.
Die Chancenseite: Der Pass-Link als Conversion-Unterstützung
Jetzt kommt der Teil, der dafür spricht, die Sache nicht als Pflichthäkchen, sondern als Werkzeug zu behandeln. Ein auf der Produktseite zugänglicher Pass liefert drei Dinge, die Marketing allein nur schwer bietet:
- Glaubwürdigkeit. Aussagen wie „nachhaltig“, „langlebig“ oder „reparierbar“ lesen sich auf einer Produktseite wie Werbetext. Dieselben Angaben in einem strukturierten Pass mit Versionshistorie — mit Materialzusammensetzung, Angaben zur Reparierbarkeit und Herkunftsdaten — werden zur überprüfbaren Tatsache. Gegen den Greenwashing-Verdacht ist die beste Verteidigung: Daten.
- Inhalt. Der Pass ist fertige, detaillierte Produktinformation — weniger Serviceanfragen der Art „Aus welchem Material ist das?“ und weniger Retouren wegen falscher Erwartungen.
- Nachweisbare Nachfrage. Nach einer gemeinsamen Analyse von McKinsey und NielsenIQ aus dem Jahr 2023 erzielten Produkte mit ESG-Aussagen über fünf Jahre ein durchschnittliches kumuliertes Umsatzwachstum von 28 % gegenüber 20 % bei Produkten ohne solche Aussagen; und die Verbraucherbefragung von PwC aus dem Jahr 2024 unter mehr als 20.000 Teilnehmern ergab, dass Käufer für nachhaltig hergestellte Produkte im Schnitt einen Aufpreis von knapp 10 % zu zahlen bereit sind. Die genauen Zahlen unterscheiden sich je nach Markt — die Richtung ist jedoch klar: Glaubwürdige Produktinformationen, die vor der Kaufentscheidung verfügbar sind, helfen dem Verkauf, sie behindern ihn nicht.
Und es gibt noch einen stillen Vorteil: Wer den Pass-Link vor dem Wettbewerb veröffentlicht, macht aus der Pflicht einen Wettbewerbsvorteil — seine Produktseite sagt schlicht mehr als die daneben.
Technische Umsetzung: drei Stufen, vom einfachen Link bis zur API-Synchronisation
Sie müssen nicht mit der aufwendigsten Lösung beginnen. Die Umsetzung lässt sich gut stufenweise ausbauen:
| Stufe | Was bedeutet das? | Entwicklungsaufwand | Für wen ist es geeignet? |
|---|---|---|---|
| 1. Einfacher Link | Ein Link „Digitalen Produktpass ansehen“ auf der Produktseite, der auf die öffentliche URL des Passes zeigt | Praktisch null — ein Feld in den Produktstammdaten, eine Zeile im Template | Der erste Schritt für alle; in vielen Fällen reicht das schon |
| 2. Eingebetteter Abschnitt | Die wichtigsten Passdaten (Material, Herkunft, Reparierbarkeit) erscheinen auf der Produktseite, ergänzt um einen Link zum „vollständigen Pass“ | Gering — Erweiterung des Shop-Templates, manuelle oder halbautomatische Datenübernahme | Für alle, denen Nachhaltigkeit als Verkaufsargument dient und die den Käufer auf der Produktseite halten wollen |
| 3. API-Synchronisation | Die Produktdaten liegen an einem Ort, im DPP-System; der Onlineshop holt die Daten über die API, und ein Webhook meldet jede Änderung | Einmalige Integrationsentwicklung — danach null Handarbeit | Größere Sortimente, mehrere Kanäle, häufig wechselnde Daten |
Die dritte Stufe ist unser heimlicher Favorit, weil sie das übliche Datenchaos umkehrt: Statt drei langsam auseinanderlaufender Produktdatenstände in Onlineshop, ERP und Excel-Datei gibt es eine einzige Quelle der Wahrheit — den Pass — und jeder Kanal speist sich daraus. Wird eine Materialzusammensetzung oder ein Compliance-Dokument aktualisiert, fehlt die Änderung am nächsten Tag nicht an sieben Stellen — sie ist überall vorhanden.
Worauf Sie achten sollten: vier Punkte, an denen Lösungen gern scheitern
- Eine stabile, dauerhafte URL. Sie veröffentlichen den Pass-Link in Ihrem Onlineshop, drucken ihn auf die Verpackung und geben ihn an Wiederverkäufer weiter — ändert er sich ein halbes Jahr später, bricht all das zusammen. Wählen Sie ein System, bei dem die URL über den gesamten Lebenszyklus des Produkts unverändert bleibt und sich dahinter die Daten aktualisieren, nicht die Adresse. (Nach der ESPR muss der Pass mindestens für die erwartete Lebensdauer des Produkts zugänglich bleiben.)
- Mehrsprachigkeit. Wenn Sie EU-weit verkaufen — und online ist das der Normalfall —, möchte Ihr deutscher Käufer den Pass auf Deutsch sehen, Ihr französischer auf Französisch. Ein Pass, den es nur auf Ungarisch oder nur auf Englisch gibt, verfehlt in der Praxis seinen Zweck.
- Mobile-First-Darstellung. Ein erheblicher Teil der Passaufrufe findet auf dem Smartphone statt — bei QR-Scans naheliegend, aber auch ein großer Anteil der Klicks aus dem Onlineshop kommt von mobilen Geräten. Ein kleingedruckter, PDF-artiger Pass scheitert hier.
- Messbarkeit. Wenn der Link erst einmal draußen ist, sollten Sie wissen, was mit ihm geschieht: welcher Produktpass aufgerufen wird, von wo und von wie vielen Menschen. Ein Klick im Onlineshop ist ein ebenso messbares Ereignis wie ein QR-Scan im Laden — und liefert wertvolle Marktforschungsdaten. Genau darum geht es in unserem Artikel zur Scan-Analytik.
Häufige Fragen — kurz beantwortet
„Muss ich den gesamten Pass in die Produktseite kopieren?“ Nein. Bereitstellen müssen Sie den Zugang — ein gut sichtbarer Link oder ein eingebetteter Zugangspunkt ist die Standardlösung. Die genauen Anzeigedetails werden die delegierten Rechtsakte je Kategorie präzisieren.
„Ich verkaufe über einen Marktplatz — ist das meine Aufgabe oder die der Plattform?“ Beides: Sie müssen die Daten liefern (die Pass-URL), die Plattform stellt die Anzeigefläche bereit. Die großen Marktplätze bauen wegen der EU-Regeln für digitale Dienste ohnehin Compliance-Felder ein — Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass es dort etwas einzutragen gibt.
„Was ist, wenn mein Onlineshop nur Wiederverkäufer ist?“ Dann können Sie die digitale Kopie des Datenträgers oder den Pass-Link beim Hersteller bzw. Importeur anfordern — nach der ESPR muss er sie kostenlos und innerhalb einer kurzen Frist bereitstellen. Es lohnt sich, das schon jetzt in Ihre Datenanforderungen an Lieferanten aufzunehmen.
Wie hilft Veridyn?
Mit Veridyn erhalten Sie genau die stabile, kanalunabhängige Pass-Infrastruktur, um die es in diesem Artikel geht. Jeder Pass bekommt eine dauerhafte öffentliche URL, die auch über GS1 Digital Link-Pfade erreichbar ist (GTIN + Charge + Seriennummer), sodass dieselbe Adresse sowohl den QR-Code auf der Verpackung als auch die Produktseite Ihres Onlineshops bedient. Der Pass wird in den von Ihnen freigeschalteten Sprachen (bis zu allen 24 EU-Sprachen) und in einem Mobile-First-Design angezeigt — Ihr deutscher oder französischer Kunde liest ihn in seiner eigenen Sprache. Über die REST-API für Entwickler und Webhooks (API-Dokumentation) kann sich Ihr Onlineshop direkt aus der Passdatenbank synchronisieren, und das Dashboard der Scan-Analytik zeigt Ihnen, welche Produktpässe Ihre Kunden aufrufen — auch Aufrufe aus Ihrem Onlineshop werden protokolliert und lassen sich in der Quellenaufschlüsselung verfolgen (ab dem Tarif Pro). Sehen Sie in der Live-Demo, wie ein Pass auf Ihrer eigenen Produktseite aussehen würde, nehmen Sie sich fünf Minuten für den Bereitschaftstest, um Ihren Stand zu prüfen — oder starten Sie kostenlos mit dem Free-Tarif und veröffentlichen Sie diese Woche Ihren ersten Pass-Link.