DPP-Readiness ist kein Schalter, den Sie zu einem einzigen Stichtag umlegen, sondern eine Daten- und Prozessumstellung über mehrere Monate — und damit beginnt man am besten heute. Diese Checkliste zum digitalen Produktpass gliedert die Schritte einer DPP-Einführung in acht konkrete, umsetzbare Schritte — von der Bestandsaufnahme Ihres Produktportfolios über die QR-Code-Kennzeichnung bis zur laufenden Pflege.
Warum jetzt, im Jahr 2026, anfangen?
Die ESPR-Rahmenverordnung ((EU) 2024/1781) ist am 18. Juli 2024 in Kraft getreten. Die eigentliche Pflicht legt jedoch nicht der Rahmen selbst fest, sondern die delegierten Rechtsakte je Produktgruppe. Diese kommen nach und nach, und jeder von ihnen sieht zwischen Inkrafttreten und tatsächlicher Anwendung mindestens 18 Monate Übergangszeit vor (in der Praxis oft 18–24 Monate). Wenn Ihnen noch nicht klar ist, worum es bei diesem System genau geht, beginnen Sie mit dem Grundlagenartikel: Was ist ein DPP. Trotz dieser scheinbar fernen Termine ist die Datenerhebung in der Lieferkette das langsamste Element — und die lässt sich in wenigen Wochen nicht nachholen. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt loszulegen.
Schritt 1 — Nehmen Sie Ihre Produktlinien und Kategorien auf
Erstellen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme Ihrer Produktlinien und ordnen Sie diese den sechs vorrangigen Produktgruppen des ESPR-Arbeitsplans 2025–2030 zu (COM(2025) 187 final, angenommen am 16. April 2025). Zwischenprodukte sind Stahl und Aluminium; Endprodukte sind Textilien/Bekleidung, Möbel, Reifen und Matratzen. Hinzu kommen horizontale Maßnahmen (Reparierbarkeits-Score, Recyclingfähigkeit von Elektronik) sowie eine Zwischenüberprüfung 2028, die neue Kategorien mit sich bringen kann.
Den genauen Zeitplan finden Sie im Artikel ESPR-/DPP-Fristen; die Tabelle unten fasst die derzeitigen indikativen (unverbindlichen) Planungswerte zusammen. Wichtig: Bis heute, dem 9. Juli 2026, wurde kein einziger produktspezifischer delegierter ESPR-Rechtsakt förmlich angenommen; Stahl und Textilien befinden sich weiterhin in der Vorbereitungs- bzw. Konsultationsphase.
| Produktgruppe | Rechtsakt (indikativer Plan) | DPP voraussichtlich verpflichtend |
|---|---|---|
| Eisen und Stahl | ~2026 | ~2028 |
| Textilien und Bekleidung | ~2027 (manche Quellen: Ende 2026) | ~2028–2029 |
| Reifen | ~2027 | ~2029 |
| Aluminium | ~2027–2028 (Quellen weichen ab) | ~2029–2030 |
| Möbel | ~2028 | ~2030 |
| Matratzen | ~2029 | ~2030–2031 |
| Batterien — eigene Verordnung, (EU) 2023/1542 | bereits in Kraft | 18. Februar 2027 (fix) |
Wenn Sie Textilprodukte herstellen oder vertreiben, finden Sie die Details im Artikel DPP in der Textilindustrie und auf unserer Seite Lösung für Textilien. Bei Batterien gilt für den Batteriepass bereits ein fester Zeitplan — mehr dazu weiter unten und bei unserer Lösung für Batterien.
Schritt 2 — Bestimmen Sie den für Sie geltenden Termin
Es gibt kein einheitliches, EU-weites „DPP-Startdatum“ — die Pflichten kommen Kategorie für Kategorie. Für jede Ihrer Produktlinien müssen Sie daher den Termin bestimmen, der konkret für Sie gilt:
- Batterien: der konkreteste Fall. Der digitale Batteriepass wird ab dem 18. Februar 2027 für jede EV-Batterie, jede LMT-Batterie (Light Means of Transport) und jede Industriebatterie über 2 kWh verpflichtend. Beachten Sie: Die Schwelle von 2 kWh gilt nur für Industriebatterien — bei EV-Batterien besteht die Pflicht unabhängig von der Kapazität. Details: Batteriepass.
- ESPR-Kategorien: Der Pflichttermin = Inkrafttreten des jeweiligen delegierten Rechtsakts + die mindestens 18-monatige Übergangszeit. Da bislang kein Rechtsakt angenommen wurde, sind diese Termine Schätzungen und können sich angesichts der bisher beobachteten Verzögerungen durchaus nach hinten verschieben.
Klären Sie außerdem Ihre Rolle beim „Inverkehrbringen“: Sind Sie Hersteller, Importeur oder Bevollmächtigter? Die Pflicht trifft den verantwortlichen Wirtschaftsakteur, und durchgesetzt wird sie von der Marktüberwachung und vom Zoll. Die gute Nachricht: Produkte, die vor dem jeweiligen Anwendungsstichtag rechtmäßig in Verkehr gebracht wurden, müssen in der Regel nicht nachträglich mit einem DPP versehen werden — den genauen Übergangswortlaut (Bestandsschutz) legt aber immer der konkrete delegierte Rechtsakt fest.
Schritt 3 — Prüfen Sie Ihren vorhandenen Datenbestand
Beim DPP dreht sich alles um Daten. Führen Sie eine Lückenanalyse durch: Was haben Sie, in welcher Qualität, wo liegt es, und was fehlt? Die Daten liegen typischerweise verstreut in ERP, PLM, Qualitätsordnern, Tabellen und E-Mails von Lieferanten. Ziel ist eine einzige, strukturierte, maschinenlesbare Quelle.
| Datenfeld-Kategorie | Wo Sie zuerst suchen | Typische Lücke |
|---|---|---|
| Eindeutige Produktkennung (GTIN + Serien-/Chargennummer) | ERP, Produktstammdaten | Identifikation auf Chargen- und Stückebene |
| Material- und chemische Zusammensetzung | PLM, Datenblätter der Lieferanten | Detailtiefe auf Lieferantenebene, SVHC |
| CO₂-Fußabdruck / Umweltwirkung | LCA-Bericht (falls vorhanden) | Werte auf Standort- und Chargenebene |
| Rezyklatanteil | Lieferantenerklärung | Geprüfter, messbarer Anteil |
| Reparierbarkeit, Demontage, Pflege | Technische Dokumentation, Konstruktion | Aufbereitung für Verbraucher und Recycler |
| Compliance, Zertifikate | Qualitätssicherung | Digitales, referenzierbares Format |
Bei Batterien ist der Satz der erwarteten Felder genau festgelegt (Anhang XIII): eindeutige Kennung + QR, Typ/Modell, Materialzusammensetzung, Erklärung zum CO₂-Fußabdruck, Rezyklatanteil (Li/Co/Ni/Pb), elektrochemische Leistung und Haltbarkeit, State of Health (SoH) und dynamische Daten sowie der Status der Sorgfaltspflichten — mit drei Zugriffsebenen.
Schritt 4 — Ein Prozess für die Datenabfrage bei Lieferanten
Das ist der Engpass des Projekts. Ein großer Teil der Daten liegt nicht bei Ihnen, sondern bei Ihren Lieferanten (und deren Lieferanten). Bauen Sie einen wiederholbaren Prozess auf:
- Kartieren Sie die Stufen der Lieferkette (Tier 1, Tier 2 …) für jede betroffene Produktlinie.
- Eine Standardvorlage für die Abfrage: exakt benannte Felder, erwartete Einheiten und Formate — kein Freitext, sondern strukturierte, maschinenlesbare Daten.
- Eine vertragliche Verankerung: Schreiben Sie die Pflicht zur Datenbereitstellung und -aktualisierung in Ihre Lieferantenverträge bzw. Rahmenverträge.
- Frist und Eskalation: eine realistische Antwortzeit, eine verantwortliche Ansprechperson, ein fester Erinnerungsrhythmus.
Je früher Sie damit beginnen, desto größer ist die Chance, dass fehlende Daten zum CO₂-Fußabdruck oder zur Zusammensetzung rechtzeitig eintreffen. Die Sorgfaltspflichten für Batterien hat der Rat übrigens auf den 18. August 2027 verschoben ((EU) 2025/1561) — den Prozess für die Datenabfrage sollten Sie dennoch schon jetzt aufsetzen.
Schritt 5 — Wählen Sie Datenmodell und Standard
Der DPP funktioniert nur, wenn die Systeme die Daten einheitlich verstehen. Entscheidungspunkte:
- Eindeutige Produktkennung: Der am breitesten akzeptierte Kandidat ist die GTIN, häufig ergänzt um Serien- und Chargennummer. Nach der ESPR muss die Kennung der Norm ISO/IEC 15459 (oder einer gleichwertigen) entsprechen.
- Weblink: GS1 Digital Link kodiert die Kennung in eine einzige URL — ein QR-Code öffnet damit für die Verbraucher den Pass und macht zugleich die GTIN maschinenlesbar. Mehr dazu: QR-Codes und GS1 Digital Link.
- Europäische Normen: CEN/CENELEC hat am 27. Mai 2026 sechs der acht geplanten DPP-EN-Normen veröffentlicht (EN 18216, 18219, 18220, 18221, 18222, 18223); die beiden übrigen — EN 18239 (Zugriffsverwaltung und Sicherheit) und EN 18246 (Authentizität und Integrität der Daten) — befinden sich Berichten zufolge noch im Entwurfsstadium (FprEN), die Veröffentlichung verschiebt sich voraussichtlich auf September 2026. Eine wichtige Nuance: Die bereits veröffentlichten Normen sind verfügbar und umsetzbar, aber noch nicht harmonisiert — solange keine Fundstelle im Amtsblatt der EU erscheint, begründen sie keine Konformitätsvermutung.
- Austauschformat: Das de facto empfohlene Standard-Austauschformat im EU-DPP-Ökosystem ist JSON-LD. Eine wichtige Nuance: Das ist in erster Linie eine Empfehlung der CIRPASS-2-Referenzarchitektur (D4.1) und keine normative Anforderung der acht EN-Normen — für die praktische Interoperabilität ist es heute aber die sicherste Wahl.
Bauen Sie kein geschlossenes, proprietäres QR-System: Eine proprietäre Lösung birgt ein Compliance-Risiko und erschwert Ihren Partnern das maschinelle Auslesen.
Schritt 6 — Wählen Sie ein DPP-System und starten Sie ein Pilotprojekt
Das DPP-Datenmodell ist dezentral: Die Passinhalte bleiben beim Wirtschaftsakteur oder bei seinem DPP-Dienstleister, während das zentrale Register der EU (ESPR Artikel 13) nur ein Index bzw. Verzeichnis ist — es speichert die eindeutigen Kennungen und die Verweise auf die Akteure, nicht die Inhalte selbst. Dieses Register ist am 20. Juli 2026 in Betrieb gegangen (auf Grundlage der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778), während die verpflichtende Registrierung der Unternehmen später beginnt, Kategorie für Kategorie — Details: Das EU-DPP-Register ist live.
Achten Sie bei der Systemauswahl darauf, ob es Ihre Kategorie abdeckt, ob es rollenbasierten Zugriff beherrscht (Öffentlichkeit / berechtigte B2B-Akteure / Behörden und Zoll), ob es einen Resolver (Weiterleitung) zwischen der dauerhaften Kennung und dem wechselnden Datenort bereitstellen kann und ob es die zugelassenen Datenträger unterstützt. Starten Sie danach ein Pilotprojekt mit einer einzigen Produktlinie: Erstellen Sie einige echte Pässe von Anfang bis Ende und testen Sie das QR-Auslesen sowie den Datenfluss von den Lieferanten, bevor Sie auf das gesamte Portfolio ausrollen.
Veridyn ist genau dafür eine fertige Plattform: ein schemagesteuerter Editor, Versionshistorie, rollenbasierte Feldfilterung und QR-Erzeugung — im Standardformat GS1 Digital Link, sobald Sie eine GTIN angeben. Mit der Registrierung starten Sie ein Pilotprojekt in wenigen Minuten; die Preise sehen Sie auf der Preisseite.
Schritt 7 — QR-Code, Datenträger und Kennzeichnung
Der Datenträger am physischen Produkt ist der Einstiegspunkt. Derzeit sind der QR-Code und der Data Matrix-Code — mit einer GS1-Digital-Link-URI — die einzigen zugelassenen Träger, die sich auf dem Telefon eines Verbrauchers ohne Weiteres öffnen. RFID/RAIN RFID eignet sich eher für das industrielle Auslesen großer Mengen ohne Sichtverbindung; NFC ist für den Verbraucherzugang geeignet, aber noch kein von GS1 zugelassener Träger. An einem Produkt können sogar mehrere Träger parallel angebracht sein.
- Wählen Sie für den Verbraucherzugang QR oder Data Matrix, mit GS1-Digital-Link-Syntax.
- Sorgen Sie für physische Beständigkeit und eine gute Platzierung — der Code muss über die gesamte Lebensdauer des Produkts lesbar bleiben.
- Bei Batterien ist der QR-Code auf der physischen Batterie selbst verpflichtend.
- Ein gut kodiertes Symbol ist sowohl menschen- als auch maschinenlesbar — das ist das Ziel.
Schritt 8 — Benennen Sie einen internen Verantwortlichen und pflegen Sie die Daten
Der DPP ist kein einmaliges Projekt, sondern ein lebendes Dokument. Benennen Sie einen Verantwortlichen oder ein Team (typischerweise aus Qualität, Compliance oder Produktmanagement), das die Daten aktuell hält. Richten Sie eine Pflegeroutine ein: Aktualisierung bei Produktänderungen, neuen Lieferanten oder Rechtsänderungen; bei Batterien halten Sie die dynamischen Daten und den SoH fortlaufend aktuell; führen Sie zu jeder Änderung eine Versionshistorie und einen Prüfpfad. So bleibt der Pass aktuell und auch bei einer Kontrolle der Marktüberwachung belastbar.
Die Checkliste auf einer Seite
| # | Aufgabe | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Produktlinien aufnehmen und Kategorien zuordnen | Produkt-Kategorie-Matrix + Liste der betroffenen Produkte |
| 2 | Geltenden Termin und eigene Rolle bestimmen | Frist je Produkt + verantwortlicher Wirtschaftsakteur |
| 3 | Vorhandenen Datenbestand prüfen | Lückenliste je Feld, mit Quellenangabe |
| 4 | Datenabfrage bei Lieferanten aufsetzen | Vorlage, Vertragsklausel, Fristen |
| 5 | Datenmodell und Standard wählen | Entscheidung zu GTIN + GS1 Digital Link + JSON-LD |
| 6 | DPP-System wählen und Pilotprojekt starten | Funktionierende Pässe auf einer Produktlinie |
| 7 | QR-/Datenträger und Kennzeichnung | Ein lesbarer, beständiger Code am Produkt |
| 8 | Interner Verantwortlicher + Pflege | Benannter Verantwortlicher + Aktualisierungsroutine |
Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten
- „Wir fangen 2028 an.“ Die Datenerhebung bei den Lieferanten ist der langsamste Schritt — genau das rechtfertigt den frühen Start.
- Ein geschlossenes, proprietäres QR-System statt des Standards GS1 Digital Link — ein Compliance- und Interoperabilitätsrisiko.
- Die indikativen Termine als geltendes Recht behandeln. Die Jahreszahlen je Kategorie sind Planungswerte; den Pflichttermin legt immer der konkrete delegierte Rechtsakt fest.
- Die 2-kWh-Schwelle bei Batterien falsch lesen — sie gilt nur für Industriebatterien; bei EV besteht die Pflicht unabhängig von der Kapazität.
Starten Sie noch heute
Je früher Sie beginnen, desto günstiger und reibungsloser gelingt Ihre DPP-Readiness. Die ersten drei Schritte der obigen Checkliste (Bestandsaufnahme, Termin, Datenprüfung) können Sie schon nächste Woche erledigen. Für ein Pilotprojekt und den Aufbau Ihrer Pässe registrieren Sie sich bei Veridyn, sehen Sie sich die häufigen Fragen in den FAQ an oder bitten Sie auf der Seite Kontakt um individuelle Unterstützung. Der digitale Produktpass wird keine Option sein, sondern eine Voraussetzung für den Marktzugang — und die Zeit zur Vorbereitung ist jetzt.