Was einen Produktpass erst zu einem Pass macht, ist seine Bindung an ein konkretes physisches Produkt. Diese Verbindung stellt der Datenträger her: ein QR-Code oder eine andere Kennzeichnung am Produkt, die mit einem einzigen Scan zum digitalen Pass führt. Dieser Artikel geht durch, welche Arten von DPP-Datenträger es gibt, wann welcher zu wählen ist und wie der GS1 Digital Link es möglich macht, dass ein einziger QR-Code mehrere Zwecke zugleich erfüllt.
Die drei technischen Ebenen eines DPP
Unter der Oberfläche besteht ein Produktpass immer aus denselben drei Elementen. Wenn Sie dieses Trio verstanden haben, ordnen sich alle weiteren Details von selbst ein.
- Ein physischer Datenträger am Produkt (QR-Code, Data Matrix, RFID oder NFC) — das Einzige, was ein Verbraucher, eine Behörde oder ein Recyclingunternehmen tatsächlich in Händen hält.
- Eine eindeutige Produktkennung, die der Datenträger codiert — sie unterscheidet das Produkt (oder die Charge oder das einzelne Stück) von allem anderen.
- Die Passdaten, die an einem über das Web erreichbaren, menschen- und maschinenlesbaren Ort vorliegen und dezentral beim Hersteller (oder bei dessen DPP-Anbieter) gespeichert sind.
Der entscheidende Punkt: Der Datenträger speichert den Pass nicht selbst. Er führt zu einer dauerhaften Kennung, und diese Kennung verweist auf einen aktualisierbaren Datenort. Wenn Sie noch nicht sicher sind, was ein Produktpass ist und wozu er gebraucht wird, lesen Sie zuerst unseren Einsteiger-Leitfaden zum DPP.
Datenträgertypen: wann welcher zum Einsatz kommt
Es gibt nicht den einen „besten“ Datenträger, sondern nur die zweckgerechte Wahl. Die vier relevanten Technologien haben unterschiedliche Stärken, und ein einzelnes Produkt kann sogar mehrere davon gleichzeitig tragen.
| Datenträger | Leseverfahren | Datenkapazität | Typischer Einsatz | DPP-Status |
|---|---|---|---|---|
| QR-Code | Verbraucher-Smartphone, kostenlose App; erfordert Sichtkontakt | Mittel (URL) | Passzugriff für Verbraucher | Zugelassener Datenträger für GS1 Digital Link |
| Data Matrix | Industriescanner und Smartphone; passt auf sehr kleine Flächen | Mittel | Kleinteile, Elektronik, Pharmazeutika | Zugelassener Datenträger für GS1 Digital Link |
| RAIN RFID (UHF) | Funk, Pulklesung, kein Sichtkontakt nötig | Groß | Lager, Fertigungslinie, Automatisierung der Lieferkette | Ergänzend; GS1-Zulassung läuft |
| NFC | Antippen mit dem Smartphone, native Dekodierung | Klein–mittel | Premium-Erlebnis für Verbraucher, Echtheitsprüfung | Als Datenträger noch nicht von GS1 zugelassen |
Die praktische Logik der Wahl ist einfach. QR-Code und Data Matrix sind derzeit die einzigen zugelassenen Datenträger für die offene, mobile Nutzung der URI nach GS1 Digital Link durch Verbraucher — deshalb sind sie das Standardformat für den QR-Code-Produktpass für Verbraucher. RAIN RFID eignet sich dank großer Datenkapazität und automatisierter, sichtkontaktfreier Pulklesung besser für Anwendungen im Unternehmen und in der Lieferkette (eine ganze Palette Produkte lässt sich auf einmal erfassen). NFC lässt sich von einem Smartphone nativ dekodieren, bietet ein ausgezeichnetes Verbrauchererlebnis und kann ebenfalls eine URI nach GS1 Digital Link tragen — als Datenträger ist es jedoch noch nicht von GS1 zugelassen, weshalb es heute am besten nur ergänzend und nicht als alleiniger Datenträger eingesetzt wird.
GS1 Digital Link: ein QR-Code, mehrere Zwecke
Der alte Strichcode konnte eines: an der Kasse die Artikelnummer auslesen. Der GS1 Digital Link kann weit mehr, und genau das macht ihn zum idealen Datenträger für einen Produktpass. Der Kniff: Er codiert die Produktkennung in eine standardisierte Webadresse (URI) dieser Form:
https://yourdomain.com/01/{GTIN}
Wenn Sie diese URL in einen QR-Code packen, erfüllt das Symbol zwei Aufgaben zugleich. Das Smartphone des Käufers öffnet den Produktpass im Browser — mit Pflegehinweisen, Zusammensetzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit. Derselbe Code liefert einem Kassensystem oder einem Lagerscanner die eingebettete GTIN zurück, auch ohne Internetverbindung. Kein getrennter „Kassen-Strichcode“ und kein getrennter „Info-QR“ mehr: Ein einziges, mehrfach nutzbares 2D-Symbol trägt beides. Eine Bedingung gibt es: Der Weg über GS1 Digital Link greift erst, wenn Sie die GTIN des Produkts hinterlegt haben — ohne GTIN codiert der QR-Code die eigene, stabile Pass-URL von Veridyn, die den Pass genauso öffnet.
Hinzu kommt: Der GS1 Digital Link ist dynamisch und aktualisierbar — derselbe physische QR-Code kann über den gesamten Lebenszyklus des Produkts hinweg auf unterschiedliche Daten verweisen. Der gestufte Zugriff wird dagegen nicht im Code selbst entschieden: Dieselbe Pass-URL zeigt über einen Token-Link eine umfangreichere Ansicht — der QR-Code öffnet immer die öffentliche Ansicht. Proprietäre, geschlossene QR-Codes schaffen demgegenüber ein isoliertes System und damit ein Compliance-Risiko — eines, das künftige produktgruppenspezifische Vorgaben leicht ausschließen könnten.
Die eindeutige Produktkennung
Ein Datenträger ist nur so viel wert wie die eindeutige Produktkennung, die er trägt. Die Rahmenverordnung ESPR verlangt, dass diese Kennung der Norm ISO/IEC 15459 (oder einer gleichwertigen) entspricht. In der Praxis ist der am breitesten akzeptierte Kandidat die GTIN (Global Trade Item Number), häufig kombiniert mit Serien- und Chargennummer, wenn eine Rückverfolgbarkeit auf Stück- oder Chargenebene nötig ist.
Die neu veröffentlichte europäische Norm EN 18219 (eindeutige Kennungen) lässt fünf Schemata für Produkt- und Akteurskennungen zu — darunter GS1-URIs, dezentrale Kennungen (DIDs) und DOIs. Die Wahl kann je nach Produktgruppe unterschiedlich ausfallen: Für ein Baumwoll-T-Shirt genügt womöglich eine GTIN auf Modellebene, während eine EV-Batterie eine eindeutige Kennung auf Stückebene braucht, weil State of Health und Lebenslauf der Batterie individuell sind. Wie viel mehr Daten diese Kategorie verlangt, erläutert unser Artikel zum Batteriepass.
Gleichzeitig menschen- und maschinenlesbar
Die ESPR gibt sich nicht mit einem Pass zufrieden, den nur ein Mensch lesen kann. Die Daten müssen zugleich für Mensch und Maschine nutzbar sein: strukturiert, durchsuchbar, auf offenen Standards beruhend und über einen scanbaren Datenträger erreichbar. Der Pass muss sich nicht nur im Browser öffnen lassen, sondern auch über eine API abfragbar sein, damit Systeme der Marktüberwachung, Recyclingunternehmen oder Handelspartner ihn automatisiert verarbeiten können.
Deshalb ist es verpflichtend, eine kostenlose, mit dem Smartphone lesbare Option anzubieten — genau das legt die Datenträger-Norm EN 18220 fest, die neben der Codierung von 2D-Symbolen (QR-Code, Data Matrix) und RFID (HF/NFC/UHF) auch die Anforderungen an Anbringung, Qualität und Druck der Kennzeichnung regelt.
Zugriffsebenen: nicht jeder sieht alles
Der Produktpass ist kein einziger, für alle offener Datensatz. Der Zugriff ist rollenbasiert und gestuft: Ein Verbraucher sieht etwas anderes als eine Behörde oder ein Recyclingunternehmen. Diese Trennung definiert die Norm EN 18239 (Zugriff und Sicherheit) in Abstimmung mit eIDAS — wichtig ist allerdings der Hinweis, dass diese Norm mit Stand Mitte 2026 noch nicht veröffentlicht ist; sie befindet sich im Entwurfsstadium (FprEN 18239), die Veröffentlichung wird um September 2026 erwartet.
| Zugriffsebene | Wer hat Zugriff | Beispieldaten |
|---|---|---|
| Öffentlich | Verbraucher (QR-Scan) | Umweltinformationen, Pflege- und Handhabungshinweise, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit |
| Partei mit berechtigtem Interesse | Geschäftspartner, Recyclingunternehmen, Demontagebetriebe | Vollständige Materialzusammensetzung, Scope-3-Daten, Zertifikate, Demontageanleitungen, gefährliche Stoffe |
| Behörde | Marktüberwachung, Zollbehörde | Vollzugriff, SVHC-Stoffe, REACH-/CBAM-Daten |
Der Batteriepass ist ein gutes Beispiel: Identifikation, Typ und Haupteigenschaften sind öffentlich, State of Health und dynamische Daten sind dagegen in der Regel nur für den aktuellen Eigentümer oder berechtigte Parteien sichtbar, während der Status der Sorgfaltspflichten ohne Preisgabe der Lieferantenidentität angezeigt wird. Bei Textilien enthält die öffentliche Ebene typischerweise die Zusammensetzung und die Pflegehinweise — mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel DPP in der Textilindustrie und auf der Seite zu unserer Textillösung.
Die Rolle des zentralen EU-DPP-Registers
Viele missverstehen das: Das von der Europäischen Kommission betriebene zentrale DPP-Register ist kein Datenspeicher, sondern ein Index — eine Art Verzeichnis. Nach Artikel 13 der ESPR enthält das Register die eindeutigen Produkt- und Passkennungen, Verweise auf den Wirtschaftsakteur, die Produktkategorie, den Zeitstempel und die Registrierungsbestätigung. Den Passinhalt selbst, die vertraulichen Geschäftsdaten und die Lebenszyklushistorie enthält es nicht.
Dieses dezentrale Modell bedeutet, dass die Datenhoheit beim Hersteller bleibt: Der Passinhalt liegt bei Ihnen (oder bei Ihrem DPP-Anbieter), und zu einer bestimmten Kennung gibt das Register lediglich zurück, wo die Daten liegen. Der verantwortliche Wirtschaftsakteur betreibt einen Weiterleitungsdienst (Resolver), der die dauerhafte Kennung auf den aktuellen Ort des Passes abbildet — so bleibt die Identifikation konstant, während sich der Datenort frei ändern kann.
Das zentrale DPP-Register der EU ist am 20. Juli 2026 in Betrieb gegangen (auf Grundlage der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1778) — die Registrierungspflicht der Unternehmen kommt allerdings später, Kategorie für Kategorie. Details: Das EU-DPP-Register ist live. Einen aktuellen Überblick über die verbindlichen Fristen je Kategorie gibt unser Artikel ESPR-/DPP-Fristen.
Harmonisierte Normen: der Stand bei CEN/CENELEC
Am 27. Mai 2026 hat das gemeinsame Komitee CEN/CENELEC JTC 24 die ersten sechs europäischen Normen zur Unterstützung des DPP veröffentlicht (EN 18216, 18219, 18220, 18221, 18222, 18223). Die verbleibenden zwei — EN 18239 (Zugriff und Sicherheit) und EN 18246 (Authentizität und Integrität) — lagen Mitte 2026 noch als Entwurf (FprEN) vor; die formale Abstimmung lief planmäßig bis zum 16. Juli 2026, die Veröffentlichung wird um September 2026 erwartet. Das ist ein Meilenstein — es gibt jedoch eine entscheidende Feinheit, die jeder Hersteller verstehen muss.
| Norm | Gegenstand | Status |
|---|---|---|
| EN 18216 | Datenaustauschprotokolle (REST/HTTPS/TLS) | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18219 | Eindeutige Kennungen | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18220 | Datenträger (QR, Data Matrix, RFID HF/NFC/UHF) | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18221 | Speicherung, Archivierung, Datenaufbewahrung | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18222 | Lebenszyklus-APIs und Durchsuchbarkeit | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18223 | Systeminteroperabilität, semantisches Datenmodell | Veröffentlicht (2026-05-27) |
| EN 18239 | Zugriff und Sicherheit | Entwurf (FprEN); Veröffentlichung ~September 2026 |
| EN 18246 | Authentizität und Integrität (elektronische Signatur, Verifiable Credentials, digitales Siegel) | Entwurf (FprEN); Veröffentlichung ~September 2026 |
Die entscheidende Unterscheidung: „verfügbar“ ist nicht dasselbe wie „harmonisiert“. Die sechs bereits veröffentlichten Normen lassen sich heute umsetzen, eine Konformitätsvermutung begründen sie aber erst, wenn die Kommission sie harmonisiert und im Amtsblatt der EU (ABl.) referenziert. Mit Stand Mitte 2026 stand dieser Schritt noch aus. Anders gesagt: Es lohnt sich, jetzt darauf aufzubauen — denn das ist die faktische Richtung —, Sie sollten sich aber bewusst sein, dass die formale Konformitätsreferenz noch aussteht und dass auch die Normen zu Zugriffssicherheit und Authentizität (EN 18239, EN 18246) noch zu veröffentlichen sind.
Auf globaler Ebene arbeitet ISO/IEC JTC 5 (im April 2026 eingerichtet) an der internationalen DPP-Normung; inhaltliche Ergebnisse werden ab 2028 erwartet. Die technische Referenz auf EU-Ebene liefert das aus dem Programm „Digitales Europa“ finanzierte Projekt CIRPASS-2: Daraus stammen die EU DPP Core Ontology (März 2025) und die Referenzarchitektur (Juni 2026). Das ist keine verbindliche Gesetzgebung, sondern vorbereitende, beratende Arbeit.
Wo und wie der Datenträger anzubringen ist
Die richtige Anbringung der Kennzeichnung ist keine ästhetische Frage, sondern eine Compliance-Frage. Einige praktische Leitlinien, gerahmt von EN 18220 und den sektoralen Vorgaben:
- So nah am Produkt wie möglich. Wo immer machbar, gehört die Kennzeichnung auf das Produkt selbst; ist das nicht dauerhaft möglich oder passt sie dort nicht, auf die Verpackung oder die Begleitunterlagen — was zulässig ist, legt der delegierte Rechtsakt der Produktgruppe fest.
- Haltbarkeit über die gesamte Produktlebensdauer. Bei einer EV-Batterie muss der QR-Code physisch auf der Batterie sitzen und ihre gesamte Lebensdauer überstehen, denn der Pass muss noch Jahre später gelesen werden — im Second Life oder beim Recycling.
- Kostenlose, geräteunabhängige Lesbarkeit. Es muss eine Option geben, die sich mit jedem Smartphone scannen lässt — ohne Spezialhardware und ohne kostenpflichtige App.
- Druckqualität und Größe. EN 18220 legt die Qualitäts- und Anbringungsanforderungen an das Symbol fest — ein schlecht gedruckter, empfindlicher oder zu kleiner QR-Code ist unlesbar und damit nicht konform.
- Ein Produkt, mehrere Datenträger sind erlaubt. Bringen Sie ruhig einen QR-Code für den Verbraucher und RAIN RFID für die Logistik am selben Produkt an — achten Sie nur darauf, dass beide auf dieselbe Kennung verweisen.
Wie Veridyn hilft
Veridyn nimmt Ihnen genau diese technische Ebene ab. Die Plattform erzeugt für jedes Produkt und jede Charge einen mit GS1 Digital Link kompatiblen QR-Code, stellt die Passdaten menschen- und maschinenlesbar bereit und verwaltet den gestuften, rollenbasierten Zugriff — so sehen Verbraucher, Behörde und Recyclingunternehmen jeweils die für sie bestimmte Datenebene. Die Inhalte bleiben bei Ihnen, sind weiterhin aktualisierbar und für die Anbindung an das künftige zentrale Register vorbereitet.
Wenn Sie prüfen möchten, welchen Datenträger und welche Passstruktur Sie brauchen, beginnen Sie mit unserer Checkliste zur Vorbereitung, sehen Sie sich unsere Batterielösung an oder legen Sie ein kostenloses Konto an und testen Sie es live. Bei Fragen wenden Sie sich an unser Team — wir helfen Ihnen, die passende Kombination aus DPP-Datenträgern für Ihr Produkt zu finden.